Urbaner Wald

Authoren:Tobias Scholz, Thomas Schmitt

Wälder stellen einen bedeutenden Flächenanteil der Grünen Infrastruktur im Ruhrgebiet dar. Infolge ihrer Siedlungsnähe sind diese urbanen Wälder immer von einer mehr oder weniger intensiven Nutzung durch den Menschen gekennzeichnet. Im Hinblick auf ihr Erscheinungsbild und ihre Funktion unterscheiden sich die eigentlichen urbanen Wälder im verdichteten Siedlungsbereich (Kernruhrgebiet) von den peri-urbanen Wäldern im Umfeld von Siedlungen (Randbereiche des Ruhrgebiets im Westen, Norden und Südosten). Insgesamt reicht die Vielfalt der Wälder von Altwaldrelikten mit Resten der potenziell natürlichen Vegetation über angepflanzte, der Holzproduktion oder der Haldenstabilität dienenden Forste bis hin zu Pionierwäldern auf post-industriellen Flächen. Die Wälder des Ruhrgebietes sind durch verschiedene Ansprüche von Akteuren sowie unterschiedlichen Nutzungen und Spannungsfelder geprägt, die sich aus ihrer Lage innerhalb oder im näheren Umfeld des Ballungsraums ergeben. Hier haben regulative Ökosystemleistungen (z.B. CO2-Senkenfunktion, Frischluftbildung, Feinstaubfilterung, Hochwasserschutz, Kühlwirkung) der Wälder eine ebenso zentrale Bedeutung wie ihre Funktion als wichtiger Naherholungsraum. Gleichzeitig wird die Biodiversität dieser Wälder durch starke Schadstoffbelastung, Eutrophierung und eine hohe Störungsintensität beeinträchtigt, was zu einer gewissen Homogenisierung von Flora und Fauna und zur Förderung von Neobiota beiträgt.

In einer der Biodiversitätsstrategie zugrunde liegenden Bestandsaufnahme werden zu Beginn die waldstrukturellen Merkmale (z.B. Baumartenzusammensetzung, Alter, Totholzanteil) erfasst und in Bezug zur aktuellen Bewirtschaftungsweise gesetzt. Die Ausgliederung von schutzwürdigen Waldflächen erfolgt auf der Basis von Wald-FFH-Lebensraumtypen, Waldflächen in Schutzgebieten sowie Waldflächen, die für den Prozessschutz von Bedeutung sind. Die floristische und faunistische Vielfalt wird mit der Zielsetzung analysiert, typische Arten für die verschiedenen Waldtypen zu definieren, die jeweils als Zielarten für ein Biodiversitätsmonitoring dienen können. Zuletzt sollen die Regulationsleistung und die Erholungsleistung der einzelnen Wälder ermittelt werden.

Die daraus zu entwickelnde Biodiversitätsstrategie muss die räumliche und funktionale Vielfalt der urbanen Wälder im Ruhrgebiet berücksichtigen und neben einigen übergeordneten Zielen spezifische, typbezogene Maßnahmen enthalten. Die Vision sollte auf eine nachhaltige Waldentwicklung und Waldnutzung ausgerichtet sein, die natürliche Prozesse (z.B. Sukzession, Totholz) fördern und damit den Zielarten einen Lebensraum bieten. Gleichzeitig sind die zukünftigen Entwicklungen des Klimawandels zu berücksichtigen, wobei ein naturnaher, resilienter Umbau des Waldes unter Berücksichtigung einer klimaangepassten Baumartenauswahl angestrebt werden muss.