Tagung 2017

Hier finden Sie die Tagungsbeiträge der letzten Veranstaltung "Urbane Biodiversität - Grüne und Blaue Infrastruktur" vom März 2017.

Fehlende Vorträge werden wir so bald wie möglich ergänzen.

Hauptvorträge
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Michael Schwarze-Rodrian (Regionalverband Ruhr): Grüne Infrastruktur Ruhr – neue Wege für Biodiversität und Biotopverbund im Ruhrgebiet

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Abstract Grüne Infrastruktur Ruhr

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Ton Verhoeven (Stadt Nijmegen): Development of Green Infrastructure in the city of Nijmegen, European Green Capital 2018

Abstract Development of Green Infrastructure

Nijmegen is a mid-size city in the East of Holland. And it is a city with clear ambitions on the field of sustainability. Nijmegen wants to be energy neutral in 2045 and climate proof in 2050. Together with the region. In our Sustainability Agenda we combine our goals on the field of energy transition, smart mobility, green procurement and circular economy into the higher ambition of a sustainably developing city with and for our citizens.

The best way to reach those goals is to improve our green-blue structures in the city and connect them to the surrounding nature areas. Such a green-blue network is not only necessary for nature and biodiversity. Robust green-blue structures are also capable to avoid nuisance of heavy rainfall and heat stress. To create a better living environment for our citizens, who want to enjoy the green outside their houses, walk and play in the green structures.
A high quality living environment is essential though for the health and well being of the citizens. But this high ambition is difficult to reach, because how do you change the stony areas (streets and parking places) into more natural areas?

How do you change the mind set of people, who's first ambitions are having enough to eat and live properly, and have less intention to improve the world or their own neighbourhood? We hope to find the answers soon. Our Campaigns Green Allure Innercity, Green Connects and Operation Saxifraga are set up for greening the city centre and neighbourhoods, hopefully also greening many private gardens and maybe improving also the biodiversity in the city.
Already 350 participation projects have been carried out in our city, varying from turning over dull green into nice flower beds or into vegetable gardens. But also projects like our Heroes of the Neighbourhood (school kids clean up street garbage).

Other projects are the use of Camera traps in citizens gardens (to spot the night activity of animals), Fruit tree garden projects in Nijmegen-North and the Badger project in Nijmegen South (protection and improvement of their walking routes and surroundings). Our biggest project is the river project Room for the Waal, where a side channel and an island are created in the middle of our town. A huge project with high water safety ambitions and now also a perfect sport for recreation and culture events. But in the total river Rhine flood plain this River Park Nijmegen is only a small pearl, which will hopefully be connected to many other pearls in Germany, in order to restore the rich nature values of the river in the past and fish and mammals can migrate.

My presentation will show these projects, these green Campaigns and afterwards I hope you understand why we deserved the title Green Capital 2018. Come and visit Nijmegen that year.  


Themenblock: Neue Erkenntnisse zur Wirkung grüner Infrastruktur
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Joana Jagmann (Ruhr Universität Bochum): Ökosystemleistungen urbaner Wiesen, Biodiversität, Biomasseproduktion und C-Fixierung

Abstract Ökosystemleistungen

Besonders in urbanen Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet kommt der grünen Infrastruktur eine große Bedeutung zu. Zum einen sind die Kommunen im Rahmen der Biodiversitäts-konvention verpflichtet urbane Biodiversität zu fördern, zum anderen steigt vor dem Hintergrund einer zunehmenden Hitzebelastung als Folge des Klimawandels die Nachfrage nach klimaregulierenden Ökosystemleistungen (ÖSL). Hinsichtlich notwendiger Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen spielen urbane Grünflächen aufgrund ihrer Bedeutung sowohl für objekt- als auch flächenbezogene Maßnahmen eine große Rolle. Neben städtischen Wäldern und Baumstrukturen, die viele klimatische Regulationsleistungen bereitstellen, haben auch urbane Graslandökosysteme als Bestandteil grüner Infrastruktur eine große Relevanz, insbesondere für eine hohe Biodiversität im urbanen Raum.

Bei der Entwicklung von Indikatoren und Handlungsempfehlungen für die Entscheidungs-findung von Kommunen im Hinblick auf ihre grüne Infrastruktur ergibt sich die Problematik, dass wenig empirische Evidenz über die Wechselwirkungen zwischen Biodiversität und anderen ÖSL von urbanem Grün verfügbar ist. Somit stellt sich die Frage nach der funktionellen Bedeutung der Biodiversität für die Bereitstellung von ÖSL.

In diesem Kontext wird eine empirische Fallstudie zu Biodiversität und ausgewählten Ökosystemleistungen urbaner Graslandökosysteme unterschiedlicher Nutzungsintensität in Bochum vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf den Untersuchungsparametern Biodiversität, Biomasseproduktion und C-Fixierung, wobei hinsichtlich der Nutzung sowohl Scherrasen mit hoher Schnittfrequenz in Parkanlagen als auch zweischürige städtische Wiesen und Friedhofswiesen sowie Flächen mit Schafbeweidung untersucht wurden. Es wird dargestellt, wie sich die verschiedenen Graslandökosysteme bezüglich ihrer Biodiversität unterscheiden. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung zum einen die Nutzungs-intensität und zum anderen eine hohe oder niedrige Biodiversität für die Biomasseproduktion der Wiesen hat und damit für ihr Potenzial Kohlenstoff zu fixieren. Auf dieser Grundlage sollen Handlungsempfehlungen hinsichtlich Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für das Grünflächenamt der Stadt Bochum formuliert werden, um den Wert der ÖSL in lokale Entscheidungsprozesse zu integrieren und die vorhandene Biodiversität zu erhalten bzw. zu fördern.


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Angela Hof (Universität Salzburg) und Tobias Scholz (Ruhr Universität Bochum): Städtische Baumbestände unter der Lupe - was wissen wir über ihre Ökosystemleistungen und was sollten wir wissen?


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Abstract Städtische Baumbestände

Die Verstärkungseffekte von Urbanisierung und Klimawandel verleihen der Diskussion über die Multifunktionalität von Stadtnatur immensen Aufschwung. Freiraum und Stadtnatur werden zur Grünen Infrastruktur und damit zum Instrument einer nachhaltigen Stadtentwicklung gemacht.

Die Mehrzahl der naturwissenschaftlichen Untersuchungen in Städten nimmt die verschiedenen Elemente der Stadtnatur quantifizierend in den Blick, um ihren konkreten Beitrag zum Wohlergehen der Stadtbewohner messbar zu machen: Umweltbelastungen zu vermindern, menschliche Gesundheit zu fördern, sozialen Zusammenhalt zu stärken, Kontakte zur Natur zu bewahren und die Attraktivität von Standorten zu erhöhen. Hierbei nehmen die Ökosystemleistungen der städtischen Baumbestände eine herausragende Rolle ein, denn Stadtbäume sind die Leistungsträger innerhalb der Grünen Infrastruktur.

Überlebensfähige Stadtbäume sind Teil des ökologischen Stadtumbaus im Kontext des Klimawandels; neue Konzepte für städtische Baumbestände sind gefragt. Der Vortrag beleuchtet aus planerischer und anwendungsorientierter Perspektive wie die Modellierung von Regulationsleistungen städtischer Baumbestände auf Basis kommunaler Baumkatasterdaten erfolgen kann. Gleichzeitig wird aus konzeptionell-theoretischer Perspektive diskutiert, welche Forschungsfragen bei der Verengung des stadtökologischen Blicks auf Ökosystemleistungen der Stadtnatur offen bleiben.


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Peter Keil (Biologische Station Westliches Ruhrgebiet): Umweltbildung im Ballungsraum - Industriebrachen als Ökosystemleister

Abstract Umweltbildung im Ballungsraum

Industriebrachen bilden einen wesentlichen Beitrag zur urbanen Biodiversität im zentralen Ruhrgebiet und sind gleichermaßen Orte für Naturerfahrung und Umweltbildung. Damit stellen sie Ökosystemleistungen im Sinne Naturkapital Deutschland -TEEB nicht nur für den urbanen Naturhaushalt sondern auch für die im starkverdichteten urbanen Raum lebenden Menschen zur Verfügung.

Diese beeindruckende und überregional beachtenswerte Industrienatur ist Gegenstand des Umweltbildungsangebotes und der Öffentlichkeitsarbeit der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet und anderer Bildungsträger im Ruhrgebiet. Industriebrachen eigenen sich in besonderem Maße hinsichtlich der Vielfältigkeit und Belastbarkeit der Biotope sowie der Erreichbarkeit als außerschulischer Lernort. Umweltbildung auf Industriebrachen fördert bei den Schülern neben der Naturerfahrung und der naturwissenschaftlichen Kompetenz auch die motorischen Fähigkeiten, die Kreativität und zudem die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, insbesondere mit Migrationshintergrund. Diese Projekte bilden somit einen Beitrag zur Inklusion und Integration.


Leonie Fischer (TU Berlin): Mehr als nur Grün: Städter lieben Artenvielfalt

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Abstract Mehr als nur Grün

Städtische Grünflächen sind wichtig: Sie sind Lebensräume für Flora und Fauna, teilweise mit einem erheblichen Beitrag zum Artenschutz. Ebenso dienen sie den Stadtbewohnern zur Erholung und tragen zum direkten Erleben von Natur bei. Aussagen dazu, welche Art von Stadtnatur bei Nutzern besonders beliebt ist, liegen vor allem für einzelne Grünflächentypen und geografische Regionen und insbesondere für Vegetationsstrukturen oder Habitattypen vor. Auch weiß man bislang wenig darüber, ob Menschen mit unterschiedlichem soziokulturellen Hintergrund Artenvielfalt unterschiedlich bewerten.

Vor diesem Hintergrund haben wir in fünf Europäischen Städten untersucht, welcher Wert unterschiedlichen Biodiversitätsstufen beigemessen wird. Wir haben dies für vier Grünflächentypen (Parkwiese, Brache, Straße, Wald) und in Hinblick auf  die soziokulturellen Hintergründe der Befragten spezifiziert (z.B. ältere Menschen, bildungsferne Menschen, nicht-Muttersprachler). Grundlage für die Befragungen waren ein Fragebogen, der in die häufigsten Sprachen übersetzt wurde sowie Fotomaterial, das den lokalen Kontext der Städte aufnimmt und die Vegetation mit unterschiedlichen Biodiversitätsstufen zeigt. Europaweit wurden ca. 3700 Menschen befragt.

Das Hauptergebnis unserer Studie ist, dass die meisten Menschen Artenvielfalt gut finden. Für Parkwiesen und Brachen konnten wir nachweisen, dass die Bewertung mit der Biodiversitätsstufe steigt. Auch Baumscheiben an Straßen erhielten sehr positive Bewertungen für die hohen Biodiversitätsstufen, wohingegen eine vegetationsfreie Baumscheibe im Durchschnitt eher negativ bewertet wurde. Diese Aussagen sind weitgehend unabhängig von soziokulturellen Hintergründen der Befragten. Unsere Ergebnisse zeigen deshalb, dass Artenvielfalt von einem breiten Publikum wertgeschätzt wird – ein gutes Argument, Artenvielfalt in städtischen Ballungsräumen und auch in stark urban geprägten Grünflächen zu fördern und zu schützen.


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Ester Orban (Universitätsklinikum Essen): Grün im Wohnumfeld und depressive Symptomatik: Ergebnisse einer Studie aus dem Ruhrgebiet.

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Abstract Wohnortgrün und depressive Symptomatik

Mit Grün und Natur assoziieren wohl die meisten Menschen positive Emotionen; man fährt am Wochenende „ins Grüne“, um sich zu entspannen und vom Alltag zu erholen. Auch der bisherige Stand der Forschung unterstützt einen positiven Zusammenhang zwischen grüner Umwelt und psychischem Wohlbefinden. Schon der Blick ins Grüne soll eine stressreduzierende Wirkung haben und die Regeneration fördern. Vor allem in urbanen Ballungsräumen könnte Grün daher ein wichtiges Element zur Gesundheitsförderung darstellen. Die Evidenz basierend auf populationsbezogenen Studien ist jedoch ist gering, zumal viele verschiedene Methoden angewandt wurden, um Grün und psychische Gesundheit zu messen, was die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschwert.

Unser Ziel war es daher, den Zusammenhang zwischen Grün im Wohnumfeld und depressiver Symptomatik anhand der Heinz Nixdorf Recall Studie (HNR) zu untersuchen, die mit 4814 Bürger*innen der Städte Bochum, Essen und Mülheim a. d. Ruhr durchgeführt wurde (Alter zu Beginn der Studie 45-75 Jahre). Nach der Ersterhebung (2000-2003) folgten im 5-Jahres-Rhythmus zwei weitere Untersuchungen, sowie jährliche Nachbefragungen per Post. Grün am Wohnort der Teilnehmer*innen wurde basierend auf Satellitenbilddaten über den Normalisierten Differenzierten Vegetationsindex (NDVI) definiert. Depressive Symptome wurden mittels standardisierter Fragebögen erhoben, zusätzlich wurde die Einnahme von Antidepressiva erfasst. Im Vortrag werden Ergebnisse unserer umfangreichen Analysen vorgestellt


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Juliane Mathey (Leibniz-Institut fur ökologische Raumentwicklung): Implementierung biologischer Vielfalt in der Stadtentwicklung – Möglichkeiten der planerischen Verankerung und Umsetzung

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Abstract Biologische Vielfalt in der Stadtentwicklung

Städte tragen eine hohe Verantwortung für den Erhalt und die Förderung von Biodiversität und damit für die lokale Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS). Ein entscheidender Faktor für die biologische Vielfalt in der Stadt ist die Vielfalt und Qualität urbaner Ökosysteme und damit letztendlich die Beschaffenheit stätischer Grünsysteme. Allerdings ist es im städtischen Raum aufgrund des hohen Bebauungsdrucks, diverser Stadtentwicklungsherausforderungen und finanzieller Restriktionen oft besonders schwierig Biodiversitäsbelange durchzusetzen. Daher besteht die Forderung nach und der Bedarf an strategischer Verankerung von Biodiversitätsbelangen in der Stadtentwicklung. Auch wenn es in vielen Kommunen Ansätze gibt, Biodiversität zu fördern, fehlt es oft an übergreifenden Strategien, die insbesondere einen gesamtstädtischen Ansatz verfolgen, den Innenbereich berücksichtigen und die planerische Umsetzung in den Blick nehmen. So wird der aktuelle Kenntnisstand über urbane Biodiversität noch zu wenig in der Praxis berücksichtigt.

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden (IÖR) hat sich in mehreren Forschungsprojekten mit der Erarbeitung und Umsetzung strategischer Ansätze zur Entwicklung städtischer Grünflächen auseinandergesetzt. Seit Juni 2015 bearbeitet es zusammen mit den Projektpartnern Institut Umwelt und Wohnen (IWU), Deutsche Umwelthilfe (DUH), Stadt Bielefeld und Stadt Heidelberg das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt „Städtische Grünstrukturen für biologische Vielfalt – Integrierte Strategien und Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität in Städten“, welches sich sowohl aus theoretischer als auch aus praktischer Perspektive mit der planerischen Verankerung und der Umsetzung kommunaler Biodiversitätsbelange im Rahmen der Stadtentwicklung auseinandersetzt. Ergebnisse des Projekts werden Praxisempfehlungen zur Erstellung kommunaler Biodiversitätsstrategien sein. Im Vortrag sollen der Projektrahmen, die methodischen Ansätze, die Praxisbeispiele sowie erste Ergebnisse vorgestellt werden.


Themenblock: Neue Erkenntnisse zur Wirkung blauer Infrastruktur
Hauptvortrag
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Oliver Schmidt-Formann (Stadt Hamm): Integriertes Handlungskonzept „Erlebensraum Lippeaue“ – ein Beitrag der Stadt Hamm und des Lippeverbands zum Förderaufruf „Grüne Infrastruktur NRW“

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Abstract Erlebensraum Lippeaue

Das Integrierte Handlungskonzept „Erlebensraum Lippeaue“ verfolgt die Zielsetzung, ein strategisch geplantes, multifunktionales Netzwerk von natürlichen und naturnahen Flächen einschließlich des Flusses Lippe und ihrer Aue aufzubauen. In der Zielvorstellung soll die Lippeaue in der Lage sein, als gesundes Ökosystem ein breites Spektrum an Ökosystemleistungen für die Gesellschaft bereitzustellen (z.B. Kühlung von durch Bebauung verdichteter Quartiere, Hochwasserschutz über Retentionsflächen, Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten, biologische Vielfalt etc.). Die Schaffung einer lebenswerten städtischen Umwelt für die Bevölkerung und die Erhaltung und Förderung von Biodiversität bedingen den hier zum Ansatz gebrachten mehrräumlichen und kooperativen Bezug. Dazu werden über die funktionale Verknüpfung von Einzelmaßnahmen mit Akteursgruppen und der vielschichtigen Einbindung von Bevölkerungsgruppen wichtige Anknüpfungspunkte zu Angeboten der Bildung für nachhaltige Entwicklung hergestellt.

Gemäß dem Aufruf legt das Handlungskonzept „Erlebensraum Lippeaue“ den Schwerpunkt auf die strategische Auseinandersetzung und Umsetzung mit Grüner Infrastruktur und auf Mittel zur sozialen Prävention. Die Bedeutung des Projektes soll aus der Synergie des Erlebens für die Bevölkerung, der Lebensräume für Fauna und Flora und der räumlichen Verbindung der Stadtbezirke hervorgehoben werden.

Der Vortrag stellt die Inhalte des Handlungskonzeptes vor und verdeutlicht anhand von Beispielen einzelner Maßnahmen den integralen Ansatz des Förderaufrufs.


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Mario Sommerhäuser und Gunnar Jacobs (Emschergenossenschaft): Neue urbane Biodiversität durch eine revitalisierte Gewässerlandschaft‎: Der Umbau des Emschersystems

Abstract Neue urbane Biodiversität

Der ökologische Umbau der Emscher mit ihren Nebengewässern – vor über 100 Jahren aus technischen und hygienischen Zwängen zu einem System offener Abwasserläufe ausgebaut –  zu einem wieder revitalisierten Flussgebiet gehört zu den größten Renaturierungsprojekten weltweit. Mit einem Investitionsvolumen von rund 5,3 Milliarden Euro und einer Projektlaufzeit von 30 Jahren ist der Emscherumbau zugleich ein bedeutendes Infrastrukturprojekt und Motor des Strukturwandels im ehemaligen Kohle- und Stahlrevier. Die neue Emscher ist aber auch und vor allem ein ökologisches Großprojekt mit einem erheblichen Entwicklungspotenzial für neue urbane Biodiversität und das Naturerleben in der post-industriellen Region: Auf über 330 km entstehen sukzessiv neue, naturnah gestaltete Wasserläufe, die zusammen mit ihren Korridoren ein dichtes, blaugrünes Biotop-verbundsystem in den Städten bilden. Seit Umbau des ersten Bachlaufes wird der ökologische Erfolg des Emscher-Umbaus intensiv begleitet (Monitoring). Die Beobachtung der bereits auf rund 123 km abwasserfreien und revitalisierten Gewässerabschnitte innerhalb des Emscher-Systems zeigt eindrucksvoll den rasch einsetzenden Prozess der Wiederbesiedlung mit einer erheblichen Zunahme der Artenvielfalt. So hat sich z. B. die Anzahl wirbelloser bodenlebender Wassertiere (Makrozoobenthos) in den letzten 25 Jahren verdreifacht. Auch zahlreiche gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten sind darunter zu finden.

Ökologisch ausgerichtete Unterhaltungs- und Pflegemaßnahmen tragen dazu bei, die neue Vielfalt der Gewässerlandschaften zu entwickeln. Dazu zählen auch gezielte Wiederansiedlungs- und Artenschutzprojekte. So konnte beispielsweise eine Reliktpopulation der Groppe aus ihrer Isolation im Oberlauf der Boye befreit und in mehreren revitalisierten Gewässerabschnitten erfolgreich angesiedelt werden.

Dank der erfreulichen Projektentwicklung sehen weitergehende Planungen für die nächsten Jahre sogar die Wiederansiedlung der früher im Emscherbruch heimischen Wildpferde an geeigneten, großräumigen Standorten vor. Auch wilde Bienen sollen vor dem Hintergrund ihrer herausragenden Ökosystemleistung für unsere Gesellschaft als gutes Beispiel besonders gefördert werden.
Bereits heute wird deutlich, dass das Großprojekt „Emscher-Umbau“ ein wichtiges Beispiel für die Entwicklung urbaner Biodiversität sein wird. Zugleich entsteht inmitten von Europas dichtest besiedeltem Ballungsgebiet ein wertvoller Raum für das Naturerleben und die Erholung der Menschen.


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Caroline Winking (Emschergenossenschaft und Universität Duisburg-Essen): Die Bedeutung von Quellpopulationen und Gewässerhabitaten für die Wiederbesiedlung ehemaliger Schmutzwasserläufe

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Abstract Quellpopulationen und Gewässerhabitate

Die Emscher und Teile ihrer Nebengewässer wurden vor über 100 Jahren zu offenen Schmutzwasserläufen ausgebaut. Mit dem Ende des Bergbaus und dem Ende damit verbundener Bergsenkungen ist es nun möglich, das Abwasser unterirdisch abzuführen und die Oberflächengewässer naturnah umzugestalten. In diesen bilden sich aquatische Lebensgemeinschaften, deren Entwicklung in Abhängigkeit der vorhandenen Quellpopulationen in Wiederbesiedlungsquellen und dem Entwicklungsstand der Gewässerhabitate nach der Umgestaltung untersucht wurde.

Besonderes Augenmerk wurde auf die Betrachtung eines Teileinzugsgebiets gelegt. Im Radius von fünf Kilometern um naturnah umgestaltete Gewässerabschnitte wurden potenzielle Wiederbesiedlungsquellen beprobt und ausgewertet. Es wurde analysiert, inwieweit sich die Artenzusammensetzung der umgestalteten Gewässerstrecken und die der potenziellen Wiederbesiedlungsquellen ähneln. Darüber hinaus wurde für 248 Makrozoobenthos-Untersuchungen aus umgestalteten Gewässern des Emschereinzugsgebiets das „Ökologische Potenzial“ nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie für „erheblich veränderte Gewässer“ berechnet. Ebenfalls wurden Umweltparameter ermittelt, die einen Einfluss auf die Erreichung des Guten Ökologischen Potenzials zeigen.

Fast 40 % der untersuchten Probestellen erreichen das Gute Ökologische Potenzial. Diese Zielerreichung wird durch folgende Faktoren gefördert: Anbindung an naturnahe, nie verbaute Nebengewässer, aus denen anspruchsvolle Arten das umgestaltete Gewässer besiedeln können; Totholz im Gewässer, eine gute Gewässerstruktur, sowie Laubgehölze und unversiegelte Fläche im Gewässerumfeld. Eisenocker im Gewässer und fehlende Gewässerhabitate können die Zielerreichung behindern. Aus den Ergebnissen werden Vorschläge zur Optimierung der naturnahen Umgestaltung urbaner Gewässer abgeleitet.


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Nadine Gerner (Emschergenossenschaft): Der Emscher-Umbau und seine Auswirkungen auf Ökosystemleistungen

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Abstract Emscher-Umbau

Grün-blaue Ökosysteme erfüllen wertvolle Funktionen. Neben Habitat für Tier- und Pflanzenarten bieten sie auch Rückhaltefunktionen für Hochwasser und Nährstoffe, CO2-Bindung sowie Naherholungsräume. Der Wert dieser Ökosystemleistungen (ÖSL) wird vor allem in dicht besiedelten urbanen Räumen deutlich. Das europäische Forschungsprojekt DESSIN (Demonstrate Ecosystem Services Enabling Innovation in the Water Sector) entwickelte eine Bewertungsmethodik, um diese ÖSL zu quantifizieren und zu monetarisieren. Die Methodik basiert auf dem - auch für die Wasserrahmenrichtlinie angewandten - DPSIR-Ansatz. Dieser identifiziert treibende Kräfte sowie die Belastungen, die auf den Zustand von Ökosystemen wirken. Der Zustand wiederum beeinflusst die bereitgestellten Ökosystemleistungen und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Nutzen. Die Methodik wurde anhand von drei Fallstudien am Llobregat (Spanien), in Aarhus (Dänemark) sowie im Emschergebiet (Deutschland) validiert.

Am Beispiel der renaturierten Emschergewässer wurden sowohl regulierende ÖSL (Nährstoff- und Hochwasserrückhalt) als auch kulturelle ÖSL (Naherholung, regionale Wertschöpfung) erfasst. Einzelne ÖSL wurden mittels Indikatoren quantifiziert und im Anschluss teilweise monetär bewertet. Es zeigte sich eine deutliche Zunahme der bereitgestellten und genutzten ÖSL nach erfolgter Renaturierung beispielhafter Emschergewässer.
Neben den Auswirkungen von Renaturierungsmaßnahmen auf die Bereitstellung und Nutzung von ÖSL sieht die DESSIN Bewertungsmethodik eine Nachhaltigkeitsanalyse der Maßnahmen vor.


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Jörg Freyhof und Christian Wolter (Leibniz-Institut für Gewässerkunde und Binnenfischerei, Berlin): Forschungsverbund urbane Gewässer: Visionen und Herausforderungen

Abstract Forschungsverbund urbane Gewässer

Ende 2016 startete der interdisziplinäre Forschungsverbund „Ökologisches Potential urbaner Gewässer“, der für drei Jahre vom Senat für Wirtschaft, Forschung und Technologie der Stadt Berlin gefördert wird. Das Ziel: Nationale und internationale Akteure, die sich mit Maßnahmen der Gewässerrevitalisierung im urbanen Raum beschäftigen, zu vernetzen.

Urbane Gewässer sind meist erheblich veränderte Gewässer, die nach den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie das „gute ökologische Potenzial“ erreichen sollen. Dies ist eine Verbesserung von Gewässern, ohne die Nutzung durch den Menschen zu beeinträchtigen. Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie geht allerdings nur sehr schleppend voran, und Fragen der sozialen Gerechtigkeit bleiben außen vor.

Uns geht es darum, die Bevölkerung in die Verbesserung der Gewässer mit einzubinden. Wir wollen mehr Natur in der Stadt und die Wünsche der Menschen berücksichtigen und deswegen Wege finden, wie die Wasserrahmenrichtlinie zur Steigerung der Lebensqualität der Bevölkerung beitragen kann. In Städten sind Gewässer als Erholungsraum für Menschen besonders wichtig – aber nur ein gewisser Teil der Bevölkerung kann davon profitieren. Viele Menschen, die in sozial benachteiligten Gebieten leben, haben keine Gewässerzugänge in der Nähe. Daher spielt der Aspekt der Umweltgerechtigkeit eine wichtige Rolle für die Arbeit des Verbunds.


Ausblick
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Horst Fischer (Regionalverband Ruhr): Internationale Gartenausstellung 2027 – ein Motor einer nachhaltigen Stadtlandschaftsentwicklung?

Abstract Internationale Gartenausstellung 2027

Das Ruhrgebiet hat im Dezember 2016 den Zuschlag für die Internationale Gartenausstellung 2027 erhalten, wenn auch noch unter dem Vorbehalt abschließender Beschlüsse der Region. Alle 10 Jahre findet eine derartige Großveranstaltung in Deutschland statt,  die nächste ist 2017 in Berlin-Marzahn vorgesehen; und es ist sicherlich ein Erfolg, dass die Metropole Ruhr der darauf folgende Kandidat ist.

Doch kann man mit dem Format einer großen „Blümchenschau“ wirklich positiv wirken, kann man es als „Motor einer nachhaltigen Stadtlandschaftsentwicklung“ nutzen hin zu einem grünen und lebenswerten Ruhrgebiet? Dieser Frage geht der Vortrag nach und zeigt, dass Gartenschau hier einmal ganz anders und vielfältiger verstanden werden soll. Geplant mit einem dezentralen Ansatz, der neben dem Event ganz wesentlich auf Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger setzt und letztlich auch auf breitangelegte Investition in die grüne Infrastruktur der Metropole Ruhr.

Strukturschema der IGA 2027 Metropole Ruhr, Büro Sinai, 2015

Exkursion

Läppkes Mühlenbach und Radschnellweg Ruhr RS1
Zukunftsvision RS1 (zum Vergrössern klicken)

Vorgestellt wurde das einzigartige Verkehrsprojekt in seiner besonderen ökologischen Bedeutung mit weltweiter Modellfunktion. Der kreuzungsfreie Radschnellweg macht Radfahren im Business und in der Freizeit sehr attraktiv und trägt daher zur verkehrsbedingten Schadstoffminderung bei. Gleichzeitig sorgen begleitende, ruhrgebietstypische Biotope für Ausbreitungsbänder und bedeutende Achsen im Biotopverbund. Ein Ausblick wies auf die Weiterführung des Projektes u.a. mit "Stepping Stones" hin.

Am Läppkes Mühlenbach,  gab es einen Einblick in die Renaturierung und die ökölogische Neugestaltung eines ehemaligen Abwasserkanals im Rahmen des "Generationenprojektes Emscherumbau".

Der Läppkes Mühlenbach ist ein Zufluss der Emscher nahe der Stadtgrenzen zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr und folgend zwischen Essen und Oberhausen. Der bis 1989 stark kanalisierte und als oberflächiger Abwasserkanal genutzte Wasserlauf ist seit 1991 als erster von der Emschergenossenschaft als Pilotprojekt renaturiert worden.


Weiterführende Informationen:

Webseite Emscherumbau

Webseite Radschnellweg RS1

Pressemitteilung zum Radschnellweg RS1

Übersichtskarte RS1 (download/pdf)