Industrienatur

AuthorInnen: Peter Keil, Andrea Welsch, Corinne Buch, Verena Niehuis, Tobias Rautenberg

Industrienatur ist ein anerkanntes Alleinstellungsmerkmal für das Ruhrgebiet, nirgendwo in Deutschland ist Industrienatur sowohl qualitativ als auch quantitativ (Flächengröße) vergleichbar ausgeprägt.

Als Industrienatur wird die Natur definiert, die sich selbstständig auf Flächen der ehemaligen Montanindustrie, auf brachgefallenen Gleisanlagen, Bahnhöfen und Gewerbeflächen entwickelt hat. Gemeinsames Merkmal ist die anthropogene Überprägung der Flächen, mit dem Vorherrschen von technogenen Substraten, wie Schlacken, Aschen, Stäuben, Schlämmen, Bauschutt oder Bergematerial. Ein Sonderfall sind Halden, insbesondere Bergehalden, die je nach Herrichtung des oberflächlich anstehenden Bergematerials auch Standorte von Industrienatur darstellen können.

Folglich hat sich so ein „neuartiges Ökosystem“ etabliert, welches es in der vorindustriellen Natur nicht gegeben hat.

Daher bilden große und strukturreiche Industriebrachen das Rückgrat der urbanen Biodiversität im zentralen Ruhrgebiet und sind gleichermaßen Orte für Erholung, Naturerfahrung und Umweltbildung.

Die methodische Vorgehensweise der Strategie beinhaltet eine flächendeckende Erfassung und Bewertung der Industriebrachen, die Definition und Erfassung von Charakter- und Verantwortungsarten der Industrienatur sowie eine Vervollständigung der Artenlisten, auch im Hinblick auf gefährdete und gesetzlich geschützte Arten des Ruhrgebiets. Ein weiterer Aspekt ist eine Bewertung von industrienaturtypischen Neobiota im Kontext ihrer Anpassungsfähigkeit an die sich verändernden Umweltbedingungen.

Ein zu erarbeitendes Monitoring-Programm beinhaltet neben der biotischen Betrachtung der Flächen auch eine Erfassung und Bewertung von Veränderungen in den abiotischen Standortbedingungen sowie die Erfassung und Bewertung von Veränderungen der Flächenanzahl und -größe.

Im Themenfeld Industrienatur bestehen starke Bezüge und Synergien zu den Themenfeldern „Soziales“ und Umweltbildung“, da die Brachflächen i. d. R. gleichsam Orte der Naherholung, des Naturerlebens und der Natur- und Umweltbildung (z. B. als außerschulischer Lernort oder als Naturerfahrungsraum) sind.