Freiraum und Biotopverbund

AuthorInnen: Harald Zepp, Peter Keil, Tobias Rautenberg, Martin Schlüpmann, Corinna Buch, Andrea Welsch

Freiräume sind unter dem Aspekt einer regionalen Biodiversitätsstrategie für das Ruhrgebiet alle nicht versiegelten sowie temporär nicht genutzte Flächen (Zechen-, Industrie- und Verkehrsbrachen). Freiräume erfüllen bedeutende ökologische Funktionen, zu denen neben dem Arten- und Biotopschutz die ökologische Vernetzung gehört.

Der genetische Austausch zwischen Lebensstätten von Pflanzen und Tieren erfordert – ähnlich den Verkehrsnetzen zwischen Wirtschaftsräumen – Verbindungswege, entlang derer Arten wandern und sich ausbreiten können. Populationen können sich nur erhalten, wenn die Mindestgrößen ihrer Lebensstätten ausrechend groß sind. Insbesondere wenn Mindestgrößen unterschritten sind, wird die Vernetzung überlebenswichtig. Somit ist Biotopverbund zum Erhalt der Biodiversität im stark durch Nutzungen überformten Ruhrgebiet unerlässlich. Die Anforderungen an die Flächen, die zusammen einen Biotopverbund bilden, variieren sehr stark in Abhängigkeit von den Pflanzen- und Tierarten, für die sie funktionieren sollen. Für einige Artengruppe (z. B. Vögel) sind keine durchgängigen Verbindungen erforderlich, vielmehr bedarf es eines Mosaiks nebeneinander liegender Freiräume unterschiedlicher Qualitäten (Baumbestände, Felder, Wiesen), die als Brutstätte, der Nahrungsversorgung dienen oder Ansitze bieten. Dagegen verlangen zahlreiche Fließgewässerarten unterbrechungsfreie Durchgängigkeit. Bislang ist der Kenntnisstand über die räumliche Verbreitung und Verteilung sowie die Evaluation der für den Biotopverbund nützlichen und unverzichtbaren Biotope lückenhaft.

Der RVR unternimmt seit Jahren große Anstrengungen, die Lücken im Netz regionaler und lokaler Grünzüge zu schließen, die wichtige Funktionen im Biotopverbund erfüllen könnten. Neben Freiräumen außerhalb und innerhalb der stark verdichteten Siedlungsgebiete, existieren kleinere und größere Brach- und Sukzessionsflächen, deren Potential für den Biotopverbund vermutlich noch nicht ausgeschöpft ist. Diese Flächen verdienen für die postindustrielle Stadtnatur besondere Beachtung. Sie sind ein Alleinstellungsmerkmal des Natur- und Kulturraums Ruhrgebiet, beherbergen häufig gefährdete Pflanzen und Tierarten und etliche sind hot spots der Biodiversität.