Biotop- und Artenschutz

AuthorInnen: Peter Keil, Andrea Welsch, Corinne Buch, Tobias Rautenberg, Daniel Hering, Marcus Schmidt

Der urbane Raum des Ruhrgebiets ist ein Hotspot der Biodiversität in Nordrhein-Westfalen. Besonders bemerkenswert ist das flächendeckende Vorkommen von Biotopen und Artengemeinschaften,

  • die einzigartig sind, da sie in der Natur- und Kulturlandschaft nicht vorkommen („neuartige Ökosysteme“) und somit bei Verlust nicht ersetzbar sind,
  • die ein Schwerpunktvorkommen im urbanen Raum aufweisen, bzw. die den urbanen Raum als Ersatzlebensraum nutzen, da ihre ursprünglichen Lebensräume in der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft durch vielfältige Beeinträchtigungen zerstört wurden oder selten geworden sind; bzw. die von den einzigartigen Lebensbedingungen im urbanen Raum profitieren.

Das Arteninventar des Ballungsraums, besteht aus einer einzigartigen Kombination von besonders resilienten oder an urbane Strukturen (prä-)adaptierten heimischen Arten und Neobiota (die entsprechende ökologische Eigenschaften aus ihrer Heimat mitbringen) und befähigt die urbane Natur, sich besonders rasch und effizient an Veränderungen anzupassen und auf Stresssituationen (z. B. „Dürresommer“) zu reagieren.

Dabei unterliegen die Förderung sowie der Schutz von Biotopen und Arten im urbanen Raum des Ruhrgebiets besonderen Herausforderungen, da vielfache Beeinträchtigungen und Ansprüche an die Flächen existieren. Gefährdungsursachen durch z. B.  hohen Flächenverbrauch, veränderte Freizeitnutzung, Eutrophierung, Einsatz von Herbiziden und Insektiziden, das Auftreten von Pathogenen und vieles mehr, bedürfen eines strategischen Ansatzes, um einerseits die Arten- und Biotopvielfalt der urbanen Natur dauerhaft zu erhalten und andererseits den Herausforderungen der sich ändernden Umweltbedingungen gewachsen zu sein.

Die Strategie verfolgt innovative Ansätze, indem Ziele und Visionen formuliert werden, die ein zukunftsweisendes Bild eines arten- und biotopreichen urbanen Raumes zeichnen. Von grundlegender Bedeutung ist hierfür die Definition von urbanen Charakter-, Verantwortungs- und Zukunftsarten, die Bedeutung der Biomasse und von Populationsgrößen im Kontext ihrer Gefährdung sowie die Bewertung von Neobiota im Kontext des urbanen Raumes. Gleichermaßen werden Biotoptypen definiert, die für das Ruhrgebiet prägend sind oder die einen Vorkommensschwerpunkt im Ruhrgebiet besitzen. Für diese Arten und Biotoptypen sind jeweils Abschätzungen zum Erhaltungszustand, zur Bestandsentwicklung und Strategien zu Schutz und Förderung notwendig.

Die methodische Vorgehensweise beinhaltet u.a. die:

  • qualitative und quantitative Erfassung des Inventars sowie die Etablierung eines dauerhaften Monitorings zur Verbesserung der Datengrundlage
  • umfängliche Recherche und Auswertung von Studien
  • Förderung der Artenkenntnis der Bürgerschaft in allen Altersgruppen und sozialen Schichten, z.B. durch Schul- oder Citizen-Science-Projekte
  • Entwicklung von Methoden und Maßnahmen, die die Sensibilität, das Engagement und insbesondere die Teilhabe der Bürgerschaft an dem Themenfeld fördern
  • Erarbeitung von innovativen, zukunftsweisenden und nachhaltigen Maßnahmen, die als Best-Practice Beispiele dienen können